Städte

Wo sich Gründer in den USA bei Städtenamen inspirieren ließen

In vielen Regionen der USA begegnet man deutschen Ortsnamen wie Berlin, Hamburg oder Heidelberg. Doch auch andere mehr oder weniger große Städte aus aller Welt schafften es mit ihrem Namen auf die Landkarte Nordamerikas. Darunter findet man Metropolen ebenso wie weniger bedeutende Orte. Was allen gemeinsam ist: Keinen dieser Namenszwillinge findet man in Statistiken zur Einwohnerzahl wirklich weit vorn. Lust auf eine kleine Weltreise innerhalb der USA? Hier einige Beispiele.

 

Saint Petersburg (Florida)

Mit immerhin knapp 250.000 Einwohnern schaffte es Saint Petersburg (Florida) auf Platz 76 in der Liste der größten US-amerikanischen Städte. Die meist einfach „St. Pete“ genannte Hafenstadt auf einer Halbinsel in der Tampa Bay im westlichen Pinellas County gehört zu den fünf größten Orten des Bundesstaates. Der Ort St. Petersburg am Golf von Mexiko erhielt seinen Namen von einem russischen Aristokraten, der Ende des 19. Jh. eine Bahnstrecke hierher führte – die wurde allerdings 1967 endgültig stillgelegt. Dafür entwickelte sich der Hafen zu einem bedeutenden Anlaufpunkt für Kreuzfahrtschiffe auf Routen Richtung Key West, Mittelamerika und Kuba. Außerdem schaukeln im Hafen von St. Pete ungezählte Jachten. Neben Hafen und Pier lockt die Stadt mit mehreren hochklassigen Museen. So zeigt das Dali Museum außerhalb Spaniens die umfangreichste Sammlung von Werken des surrealistischen Künstlers und das St. Petersburg Museum of Fine Arts präsentiert mehrere Tausend Exponate, die den Bogen vom Altertum zu zeitgenössischen Künstlern spannen – darunter Werke von Renoir, Cézanne und Monet, Skulpturen, Glaskunst sowie Fotografien. Russische Kunst unterschiedlichster Genres zeigt St. Petersburg selbstverständlich ebenfalls – im Florida International Museum. Abgesehen von den Sehenswürdigkeiten bietet die Stadt im Umland auch noch herrlich weiße Sandstrände, die zu den schönsten der Vereinigten Staaten zählen.

 

Birmingham (Alabama)

Noch gerade so rutscht Birmingham (Alabama) als 97. in die Top 100 der größten US-amerikanischen Städte. Alabamas größte Stadt liegt mit gut 210.000 Bewohnern im Jefferson County. Wo einst Indianerstämme auf die Jagd gingen, siedelten im Jahr 1813 die ersten europäischen Einwanderer. Die offizielle Stadtgründung geht auf das Jahr 1871 zurück, der Name auf die britische Großstadt. Wie ihr Namensvetter entwickelte sich die amerikanische Stadt zu einem Industriestandort, allerdings vornehmlich der Stahlindustrie. Neben „Alabama Splash Adventure“, dem Freizeitpark unweit des südwestlichen Vorortes Bessemer, und den „Watermark Place Outlets” bietet Birmingham vor allem zahlreiche sehenswerter historische Bauten – viele im Five Points South Historic District – und diverse Industriedenkmäler. Reich ist die Stadt außerdem an interessanten Museen, darunter das Museum of Art, die Alabama Jazz Hall of Fame oder das Southern Museum of Flight. Sehenswert auch die Botanical Gardens und der Birmingham Zoo. In der Umgebung Birminghams stößt man darüber hinaus auf mehrere Freiluftmuseen und den Rickwood Caverns State Park mit eindrucksvollen Kalksteinhöhlen.

 

Alexandria (Virginia)

Wenig gemein mit der vermeintlichen Namensgeberin hat Alexandria im US-Bundesstaat Virginia. Doch der Name des 140.000-Einwohner-Städtchens westlich des Potomac Rivers geht auch gar nicht auf die ägyptische Metropole zurück. Vielmehr stand Captain Philip Alexander II. Namenspate, der Mitte des 18. Jh. eine Petition einbrachte, um auf dem Gebiet des ehemaligen Bel Haven / Huntington Creek Warehouse eine Stadt zu errichten. Vor den Toren von Washington D. C. steht heute eine moderne Stadt mit einem Altstadtviertel – genannt Old Town – voller historischer Gebäude, in denen sich Boutiquen und Läden aller Art, Antiquitätenhändler, Restaurants und Theater angesiedelt haben. George Washington, dem ersten US-Präsidenten, widmet Alexandria das imposante George Washington Masonic National Memorial. Besonders interessant sind die Sammlungen der Museen von Alexandria, die von regionaler Geschichte im The Lyceum über Grabungsfunde im Archeology Museum bis hin zum Torpedo Factory Art Center reichen, das mit seiner multimedialen Ausstellung auch Kunstbanausen begeistern wird. Wer sich für Alabama in Virginia interessiert, sollte aufpassen, denn es gibt mindestens einen weiteren Ort dieses Namens in den USA: Alexandria (Louisiana) mit weniger als 50.000 Bewohnern.

 

Athens (Georgia)

Die griechischen Philosophen Platon und Aristoteles inspirierten die Gründer der Stadt auf dem Piedmont-Plateau in Georgia 1806 zum Namen Athens. Da stand in der aus wenigen Häusern bestehenden Ansiedlung namens Cedar Shoals am Ufer des Oconee River kurioserweise bereits die 1801 gegründete Universität. Zu einem gewissen Reichtum gelangte die Universitätsstadt durch Baumwoll- und Textilindustrie. Rund 120.000 Menschen bevölkern die Stadt heute, darunter rund 30.000 Studenten der University of Georgia. Das älteste erhaltene Wohngebäude von Athens – das 1820 errichtete Church-Waddel-Brumby House – beherbergt heute ein Museum. Daneben bekommt man in der Stadt zahlreiche weitere historische Bauten zu sehen, unter anderem prachtvolle Villen, mehrere Kirchen und Kapellen sowie das 1910 eröffnete Morton Theatre. Neben einigen weiteren Parkanlagen zählen der State Botanical Garden of Georgia und das University of Georgia Arboretum zu den besonderen Oasen von Athens. Außerdem lädt die Stadt in einige außergewöhnliche Museen, darunter das ENSAT-Center mit einer interaktiven Ausstellung rund um die Naturwissenschaften. Dass sich in Athens eine kunterbunte Kultur- und Kneipenszene etabliert hat, versteht sich angesichts der vielen jungen Leute in der Stadt von selbst. Einige Kuriositäten hat die Stadt darüber hinaus noch zu bieten: eine Doppelrohr-Kanone und den „Tree that owns itself“ – übersetzt: Baum, der sich selbst besitzt. Übrigens: Eine weitere US-Stadt namens Athens liegt am Hocking River in Ohio – eine Studentenstadt nur wenige Kilometer westlich von Vienna (Ohio) …

 

Manchester (New Hampshire)

Mit etwa 110.000 Einwohnern leben in Manchester (New Hampshire) fast drei Mal so viele Menschen wie in Concord, der Hauptstadt dieses eher dünn besiedelten US-Bundesstaates in der Region Neuengland. Bevor die Stadt im Jahr 1810 den Namen der in England angesiedelten, weltweit ersten Industriestadt Manchester erhielt, hieß sie immer wieder anders. Die Indianer nannten sie Namoskeag – übersetzt etwa „ein guter Ort zum Fischen“ und die ersten Siedler dann 1722 Old Harry’s Town, später wurde daraus Tyngstown und 1751 schließlich Derryfield. Manchester lockt mit herrlichen Shoppingmöglichkeiten, unter anderem in The Mall of New Hampshire – mit mehr als 120 Läden einer der größten Shoppingtempel New Hampshires. Gelegen im Tal des Merrimack Rivers bietet die Stadt neben einem grünen Umland diverse Sehenswürdigkeiten. So kann man im Currier Museum of Art neben Skulpturen, Malereien, Fotografien und dekorativen Werken amerikanischer Künstler auch Originale von Picasso, Matisse und Monet bestaunen. Ähnlich überraschend vielseitig präsentieren sich auch die anderen Museen der Stadt, beispielsweise das Lawrence L. Lee Scouting Museum, das alles rund um die außergewöhnliche Thematik „Pfadfinder“ sammelt.

 

Carlsbad (Kalifornien)

Wer nach Carlsbad im kalifornischen San Diego County reist, wird sich wundern. Denn in dieser Stadt leben nicht nur doppelt so viele Menschen wie im tschechischen Kurort Karlovy Vary (Karlsbad), sie ist auch flächenmäßig doppelt so groß. Dafür sprudelt aus der 1882 entdeckten Mineralquelle allerdings ein Wässerchen, das in seiner Zusammensetzung dem der böhmischen Stadt verblüffend ähnelt. So verwundert es nicht, dass aus dem Ort Agua Hedionda 1887 Carlsbad wurde. Gelegen an der Pazifikküste zwischen L.A. und San Diego gehören statt Kuren allerdings Faulenzen am Sandstrand und Wassersport zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten, auch wenn die Mineralquelle mit ihrer Fontäne noch immer zur Verkostung einlädt. Vor allem Familien mit Kindern sollten Carlsbad besuchen, denn immerhin beherbergt das Städtchen das Legoland®California Resort und ein SeaLifeAquarium®.

 

Cambridge (Massachusetts)

Ihrem großen Vorbild im britischen Cambridgeshire alle Ehre macht die Stadt Cambridge Massachusetts. Die hier ansässige Harvard University, gegründet von englischen Einwanderern, gehört längst zu den besten der Welt und genießt einen mindestens ebenso guten Ruf wie die englische University of Cambridge. Mit dem Massachusetts Institute of Technology gibt es sogar noch eine weitere Eliteuniversität von Weltruf. Teilweise erscheint Cambridge tatsächlich „very british“, beispielsweise auf den von roten Backsteinbauten gesäumten Plätzen Harvard Square und Inman Square oder beim Anblick von Cambridge City Hall und Cambridge Public Library. Das nicht selten als Bostoner Vorort betrachtete Cambridge bietet neben seinem faszinierenden Stadtbild mit den gepflegten historischen Gebäuden eine Reihe von Sehenswürdigkeiten. Insbesondere ins Harvard Art Museum in der Quincy Street sollte man viel Zeit mitbringen, denn das besteht aus mehreren Museen sowie mehreren Forschungszentren. Die Museen The Fogg, Busch-Reisinger und Arthur M. Sackler beherbergen zusammen um die 250.000 Exponate aus aller Welt, die vom Altertum bis in die heutige Zeit aus allen Epochen stammen.

 

Und sonst gibt es in den USA noch …

… knapp 20 Orte namens Paris und um die 40 Mal Berlin. Auch Vienna, London, Dublin, Belfast, Melbourne und San Jose fanden Gründungsväter bei der Namenswahl für ihr neues Zuhause in den Vereinigten Staaten genau richtig. Ein Sydney gibt es in den USA übrigens nicht – dafür aber, wie übrigens auch einen weiteren London genannten Ort, in Kanada.

Iqaluit – in der Heimat der Eskimos auf Abenteuerurlaub

Hochgebirgsketten, tiefe Schluchten, weite Ebenen, Salzseen, Fjorde, karibische und andere Inseln, Flussdeltas, Hochland, aktive Vulkane, Kältewüsten – landschaftlich bietet der nordamerikanische Kontinent so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann. Wem tiefe Temperaturen nichts ausmachen, den erwartet in und um Iqaluit ein außergewöhnlicher Abenteuerurlaub. Iqaluit? Ist eine überwiegend von Inuit bewohnte Stadt im Norden Kanadas, genauer gesagt die Hauptstadt des autonomen Territoriums Nunavut. Zu finden ist Iqaluit im Südosten von Baffin Island, gelegen im Nordpolarmeer südwestlich von Grönland. Mit nur rund 6.300 Bewohnern und einer Fläche von etwa 53 Quadratkilometern zählt Iqaluit zwar zu Kanadas kleinsten Hauptstädten, aber zu sehen und zu erleben gibt es mehr als genug. Die Sommersachen kann man getrost zuhause lassen, denn selbst in den Sommermonaten klettern die Temperaturen nur wenige Grad über Null. Den größten Teil des Jahres herrscht tiefer Frost. Dieses arktische Klima bestimmt das Leben Iqaluits in allen Lebenslagen. Überwiegend flach ducken sich die Gebäude in die Landschaft, asphaltierte Straßen gibt es kaum. Etwas Farbe bringen einige bunt getünchte Fassaden in die ansonsten eher schmucklose Stadt.

Ein echter Hingucker ist allerdings die im Juni 2012 neu eröffnete St. Jude’s Anglican Cathedral, eine Kirche in Gestalt eines Iglus. Im Stadtbild fallen dann noch einige weitere Kirchen auf, darunter die römisch-katholische Church Our Lady of the Assumption, die Pentecostal Church der Pfingstgemeinde und das Bahá’i-Haus der Andacht. Beim Bummel durch Iqaluit kann man sich gut mit Englisch verständigen, auch wenn die Mehrheit der Einheimischen die eskimo-aleutische Sprache Inuktitut spricht. Das wird auch an Verkehrs- und Straßenschildern deutlich, auf denen neben englischen Schriftzeichen die traditionelle Silbenschrift der Inuit zu sehen ist. Verkehrsampeln oder Hausnummern gibt es übrigens nicht. Der rund 4.000 Jahre währenden Kultur der Ureinwohner in der Region widmet sich Iqaluit mit dem Nunatta Sunakkutaangit Museum, untergebracht in einem ehemaligen Gebäude der Hudson’s Bay Company. Gezeigt werden unter anderem Kleidung, Kunstgegenstände und Schmuck der Inuit sowie Werke zeitgenössischer Künstler. Viel Wissenswertes über die Menschen und die Natur der Region vermittelt auch das Unikkaarvik Visitors Centre mit seiner interaktiven Ausstellung. Übersetzt heißt Unikkaarvik so viel wie „Ort, der Geschichten erzählt.”

Informationen bekommt man hier außerdem zu interessanten Ausflügen. Geführte Touren führen beispielsweise zu den uralten Torfhäusern des Thule-Volkes im nahe gelegenen Qaummaarviit Historic Park, im Hundeschlitten zur uralten Inuit Siedlung Illaulittuuq Outpost Camp oder zum Fischen und Wandern in die Mäanderlandschaft des Sylvia Grinnell Rivers. Angeboten werden zudem ausgedehnte oder Tagestouren mit Snowmobil oder Boot. Rund um Iqaluit erstreckt sich vor allem überwiegend flaches Land, auf dessen kargen Böden insbesondere Arktische Weide und Arktischer Mohn gedeihen, Blütenpflanzen, denen Temperaturen von bis zu minus 30 Grad nichts anhaben. Die einzigartige Schönheit der arktischen Wildnis lässt sich in dieser touristisch kaum erschlossenen Region auch im Ayuittuq National Park erleben, der sich mit schroffer Landschaft präsentiert, in der Gletscher, polares Eis und zerklüftete Felsen aufeinandertreffen. Der Nationalpark beherbergt einige der höchsten Gipfel des Kanadischen Schildes, die steil bis zu 2.000 Meter aufragen. Je nach Jahreszeit und Witterung bieten die Einheimischen Touren mit Hundeschlitten, Schneemobil oder Schneeschuhen an. Und wer sich etwas ganz Besonderes gönnen will, sollte nach einer Schiffsexpedition in die arktischen Gewässer fragen und dabei in unberührter Natur seltenen Tierarten wie Walrossen, Eisbären, Belugas oder Trottellummen begegnen …

Wo München, Berlin oder Hamburg keine Metropolen sind

Metropolen wie New York, Boston, L.A., Philadelphia oder Washington stehen meist ganz oben auf der Liste der bei Reisenden beliebtesten Städte in den USA. Ebenfalls hoch im Kurs: Rundreisen oder eine Tour über die Route 66. Kaum jemand kommt aber auf die Idee, den Spuren deutscher Einwanderer zu folgen, die über die Jahrhunderte die Vereinigten Staaten für sich entdeckten. Passende Reiseziele sind schnell gefunden, schließlich spürt man in jedem Bundesstaat Dutzende Ortsnamen mit deutschem Ursprung auf. Es liegt auf der Hand, dass sich hier einst Neuankömmlinge ansiedelten und in die Ortsgründung ihre Wurzeln einfließen ließen. Selten aber entwickelten sich diese Städtchen dann zu echten Metropolen. Ganz im Gegenteil blieben viele eher ein kleines Kaff. Reizvoll kann eine solche „Deutschland-Rundreise“ dennoch sein – schon wegen der unbekannten Regionen, in denen diese Ortschaften liegen. Neugierig geworden? Hier sechs Beispiele, natürlich jeweils ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit.

 

Berlin

„Ich bin ein Berliner“ – das traf wohl auf eine große Zahl amerikanischer Neubürger zu, denn der Name der deutschen Hauptstadt findet sich etwa 40 Mal in den unterschiedlichsten Bundesstaaten. Doch selbst zusammengenommen dürften alle diese Orte es aktuell nicht auf die Einwohnerzahl der Spree-Metropole bringen. Immerhin gut 2.000 Menschen leben in Berlin (Pennsylvania), rund 120 Kilometer südöstlich von Pittsburgh. Im von Amischen stark besiedelten Holmes County im US-Bundesstaat Ohio, knapp 100 Kilometer nordöstlich von Columbus, liegt ein weiterer Ort namens Berlin. Mit seinen rund 3.500 Einwohnern ist Berlin (Ohio) der größte Ort dieser Glaubensgemeinschaft, deren Ursprung in der reformatorischen Täuferbewegung Mitteleuropas liegt. Eine echte Idylle ist Berlin (New Hampshire) am Androscoggin River, in dem über 10.000 Einwohner leben. Ganz in der Nähe dieser von Wäldern umgebenen Kleinstadt lockt das Wintersportgebiet Presidential Range am 1.917 Meter hohen Mount Washington. Auch wer Boston besucht, hat es nicht weit nach Berlin (Massachusetts), das knapp 50 Kilometer östlich liegt. Dieses 2.000-Seelen-Örtchen erhielt seinen Namen zu Ehren der Freundschaft George Washingtons mit dem Preußenkönig Friedrich dem Großen. An den Ufern des Fox River leben knapp 6.000 Berliner, etwa 125 Kilometer nordöstlich ihrer Hauptstadt Madison im US-Bundesstaat Wisconsin. Das Stadtzentrum ist übrigens als „Huron Street Historic District“ im Nationalregister historischer Plätze der USA zu finden. Gut 30 Kilometer östlich von Albany stößt man dann zwar nicht auf den Fernsehturm, dafür aber auf den 859 Meter hohen Berlin Mountain – und auf ein ländliches Berlin (New York) mit nicht einmal 2.000 Bewohnern.

 

Hamburg

Ein wirklich schönes Reiseziel ist Hamburg (New York). Wenige Kilometer südlich von Buffalo zieht sich die 56.000-Einwohner-Stadt am Ostufer des Eriesees über eine Fläche, die etwa der von Kassel entspricht. Nicht weit entfernt tosen die Niagarafälle. In Hamburg angesiedelt ist das „Lake Erie Seaway Trail Center”, ein Besucherinformationszentrum mit saisonalen Ausstellungen. Hamburg (Pennsylvania) am Schuylkill River ist ebenfalls interessant. Zwar ist dieser Ort mit etwas mehr als 4.000 Bewohnern sehr klein, doch wunderschön gestaltet. Gut 110 Kilometer westlich von Philadelphia kann man hier einen Streifzug durch die europäische Architektur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts unternehmen. Zudem überrascht das Städtchen mit idyllischen Parks und mehreren Seen in unmittelbarer Umgebung. Im US-Bundesstaat Wisconsin findet man Hamburg gleich zwei Mal: Hamburg im zentral gelegenen Marathon County ist eher ein Dorf mit nicht einmal 1.000 Einwohnern, aber immer noch größer als Hamburg im südöstlichen Vernon County. Zwar beherbergen unter anderem auch Illinois, Iowa und Minnesota Orte namens Hamburg, doch sind diese so klein, dass man sie auf Karten kaum findet oder sie fristen wie Hamburg (South Carolina) inzwischen sogar ihr Dasein als Geisterstädte.

 

München

Aus der bayerischen Landeshauptstadt gab es entweder nur wenige Auswanderer Richtung Amerika, oder ihnen gefiel ihre Stadt damals nicht gut genug. Selbst wenn man berücksichtigt, dass sich Amerikaner mit Umlauten schwertun: Munich gibt es in kaum einem Bundesstaat. Und wenn doch, dann handelt es sich um völlig unscheinbare, winzige Orte wie das 300-Seelen-Dorf New Munich (Minnesota) oder Munich (North Dakota) mit noch weniger Bewohnern.

 

Heidelberg

Die ehemalige kurpfälzische Residenzstadt behielten offensichtlich so einige Einwanderer in guter Erinnerung, denn der Ortsname Heidelberg findet sich in den US-Bundesstaaten Ontario, Kentucky, Minnesota, Mississippi, Pennsylvania und Texas. Außer der Stadt Heidelberg (Pennsylvania) südwestlich von Pittsburgh, deren 1.200 Einwohner sich mit einer erfolgreichen Amateurfußballmannschaft hervortun, verfallen die anderen Heidelbergs allerdings zunehmend bis zur Bedeutungslosigkeit.

 

Köln

Zwar gibt es in den USA keine Stadt, die Köln heißt. Doch gelten aus Köln stammende Siedler als Gründer von Cologne (Minnesota). Knapp 50 Kilometer von Minneapolis entfernt leben heute etwa 1.500 Menschen in diesem Ort. Neben dem 1880 errichteten Haus des Stadtgründers blieben in Cologne diverse geschichtsträchtige Gebäude erhalten. Darüber hinaus gibt es Parks, einen Golfplatz sowie ein Arboretum. Weitere – inzwischen unbedeutende Orte namens Cologne beherbergen die US-Bundesstaaten New Jersey, Texas und Virginia. Immerhin waren sie dem Präsidenten John F. Kennedy noch bekannt genug, denn bei seinem Besuch in Köln im Juni 1963 sagte er: „Ich bringe Ihnen Grüße aus den Städten Amerikas, einschließlich der Einwohner von Cologne, Minnesota, Cologne, New Jersey, und Cologne, Texas.”

 

Frankfurt

Dass es in den USA kein Frankfurt gibt, verwundert nicht. Erst recht nicht, wenn man weiß, dass die Auswanderer in ihrem Dialekt Frankfort sagten. In den Vereinigten Staaten heißen über 20 Orte Frankfort oder Frankford. Blickt man allerdings in die Geschichte all dieser vermeintlichen „Zwillingsstädte“, so stellt man fest, dass für die wenigsten von ihnen tatsächlich die deutsche Stadt Namenspate stand. Oft beruhen die Ortsnamen auf Personen, deren Vor- oder Nachnamen „Frank“ die Stadtgründer mit einem bestimmten regionalen Ereignis verbanden. Das trifft auch auf Frankfort (Kentucky) zu, seit 1792 Hauptstadt des US-Bundesstaates Kentucky. Der Name dieser 25.000-Einwohner-Stadt geht auf den Pionier Stephan Frank zurück, der 1780 an einer Furt des Kentucky Rivers ums Leben kam. Die Gründungen von Frankfort (New York), Frankford (Delaware), Frankfort (South Dakota) und Frankfort (Ohio) gehen hingegen nachweislich auf deutsche Siedler zurück, was auch an den historischen Bauwerken dieser Orte unschwer erkennbar ist.

Jamaika – Traumstrände, Abenteuer und Kolonialarchitektur

Reggae, Rastas und karibische Traumstrände – auch das bietet der nordamerikanische Kontinent. Zwischen Kuba und Haiti liegt Jamaika, Teil der Inselgruppe Große Antillen. Kolumbus entdeckte 1494 die Insel. Anschließend von Spaniern besiedelt, die afrikanische Sklaven auf die Insel brachten, und ab Mitte des 17. Jahrhunderts britische Kolonie erlangte der Inselstaat erst 1962 seine Unabhängigkeit. Was aus der bewegten Geschichte blieb, sind Englisch als Amtssprache, Linksverkehr und eine faszinierende Kultur. Auf Jamaika lässt es sich an von Palmen gesäumten Stränden mit feinem weißen Sand herrlich faulenzen, während vom Meer ganz sanft Wellen ans Ufer schwappen. Bei Lufttemperaturen um die 30 Grad Celsius und Wassertemperaturen von 25 Grad und mehr macht auch das Baden Spaß. Nach Stränden muss man auf der Insel nicht lange suchen, denn es gibt sie fast überall entlang der Küsten. Zu den ruhigsten zählen Frenchman’s Cove Beach in einer Bucht bei Port Antonio im Nordosten, der Half Moon Beach bei Negril an der Westküste, Treasure Beach an der Südküste und der Strand von Discovery Bay an der Nordküste. Einer der populärsten Strände Jamaikas zieht sich im Nordwesten bei Montego Bay am Meer entlang: der Aqua Sol Beach.

Hier herrscht bei Strandsportarten, Bananaboat-, Tretboot- und Jetskifahrten stets Trubel. Und wer trockenen Fußes einen Blick auf die faszinierende Unterwasserwelt riskieren möchte, macht sich mit einem der Glasbodenboote auf den Weg hinaus zu den küstennahen Korallenriffs. Klar, dass in den Gewässern rund um Jamaika auch Taucher herrliche Reviere finden, beispielsweise im Montego Bay Marine Park mit seinen Riffs, Unterwassertunneln und steilen Wänden. Einige Stellen eignen sich auch zum Schnorcheln. Vor der Insel liegen zudem zahlreiche Schiffswracks, unter anderem vor Ocho Rios und Runaway Bay. Auf dem Wasser wartet auf Petrijünger das besondere Abenteuer – Hochseeangeln. In verschiedenen Orten bieten Einheimische solche Touren an, natürlich inklusive Angelausrüstung und einer gehörigen Portion Spaß. Abenteuerlustige finden ihre Herausforderung mit Gänsehautgarantie vor allem auf den Flüssen im Landesinneren: Rafting. Mit Paddel und Schlauchboot kann man sich durch Stromschnellen kämpfen oder sogar Wasserfälle hinab stürzen. Etwas gemächlicher geht es dagegen beim Bamboo Rafting zu – einer Floßfahrt auf einem stillen Flussabschnitt, unter anderem auf dem Rio Grande. Hat man bei Ausflügen wie diesen ganz nebenbei so einiges von der herrlichen Natur der Insel gesehen, sollte man auch mal in die Städte fahren.

Die Hauptstadt Kingston zum Beispiel liegt nicht nur malerisch vor dem Bergpanorama der grünen Blue Mountains an der südöstlichen Küste, sondern sie beherbergt auch viel Sehenswertes. Britische Kolonialbauten fügen sich hier mit modernen Bürogebäuden zu einem harmonischen Stadtbild zusammen, Museen locken mit spannenden Ausstellungen zu Bob Marley, Kunst oder Geschichte. Und unter den zahlreichen Parks gehört der 1783 als botanischer Garten angelegte National Heroes Park mit Skulpturen und Denkmälern sicher zu den besonderen. Unbedingt besuchen sollte man noch Spanish Town, einige Kilometer nordwestlich der Hauptstadt im Landesinneren. Von 1535 bis 1872 war Jamaikas heute zweitgrößte Stadt Hauptstadt des Landes. Auch hier blieben vor allem aus britischer Zeit Kolonialbauten erhalten, darunter King´s House, einst Residenz des Gouverneurs. Mit der im späten 17. Jh. geweihten St. Catherine Parish Church steht in dieser Stadt außerdem Jamaikas älteste anglikanische Kirche. Wer dann noch der Geschichte des legendären Jamaika-Rums auf den Grund gehen möchte, findet westlich von Kingston in St. Elizabeth einen der bekanntesten und ältesten Rumproduzenten, die Appleton Rum Estate. Die Führungen hier schließen übrigens Verkostungen ein.

Kanada – Eisskulpturen, Straßenkunst, Jazz und vieles mehr

Wer nach Kanada fliegt, tut dies sicher vor allem, um die einmalig schönen Landschaften zu sehen oder das besondere Flair von Städten wie Vancouver, Toronto oder Ottawa zu erleben. Doch ebenso sehen lassen kann sich der Event- und Festivalkalender, sodass sich ein Blick darauf schon bei der Reiseplanung lohnt. Vielleicht kann man dann das eine oder andere Veranstaltungshighlight so ganz nebenbei auch noch mitnehmen. Im Januar lässt die internationale Elite der Eisbildhauer beim „Ice Magic Festival” in den kanadischen Rocky Mountains aus Eisblöcken zauberhafte Figuren entstehen. Das mehrtägige Event findet am und auf dem zugefrorenen Gletschersee Lake Louis in der Provinz Alberta, etwa zwei Autostunden westlich Calgarys, statt. Je nach Witterung kann man die filigranen Figuren dann noch bis in den März hinein vor der zauberhaften Kulisse des mächtigen Victoria-Gletschers bestaunen. Auch in Albertas Jasper Nationalpark herrscht im Januar mehr Trubel als sonst: Beim Winterfestival „Jasper in January“ herrscht zwei Wochen lang Partystimmung, es gibt eine Parade und Dutzende coole Veranstaltungen. Quebec startet im Januar ebenso turbulent ins Jahr.

Der weltweit größte Winterkarneval „Quebec City Winter Carnival“ bietet ausgelassene Stimmung in und um Quebec City sowie ebenfalls ein Eisskulpturenfestival renommierter Künstler aus aller Welt. Um Kunst, Licht und Cuisine dreht es sich beim „Montréal en Lumière – Festival of Lights“, das die Millionenmetropole ab Mitte Februar mit Lichtshows, Konzerten und gastronomischen Leckerbissen zehn Tage lang zelebriert. Skifans erwartet im Februar östlich von Edmonton ein besonderes Spektakel: das „Canadian Birkebeiner Ski Festival“ am Cooking Lake. Im Zeichen der Birkebeiner – nordischer Wikinger – finden zu einem bunten Rahmenprogramm mehrere Langlaufrennen über unterschiedliche Distanzen statt. Ganz im Zeichen der Natur steht ab Ende Februar bis in den April hinein das „Brant Wildlife Festival“ in Parksville und in Qualicum-Strand auf Vancouver Island. Auf geführten Exkursionen sowie bei diversen Veranstaltungen erfährt man viel Wissenswertes über die schwarzbäuchige Ringelgans, die hier während des Vogelzuges rastet. Zu einem der ersten größeren Musikevents des Jahres lädt im Mai Toronto in der Provinz Ontario ein. Während der viertägigen „Canadian Music Week“ stehen vor allem kanadische Bands und Newcomer auf der Bühne. Ebenfalls künstlerisch ausgerichtet ist „The Charlottetown Festival” in der Prince-Edward-Island-Provinz.

Von Mitte Mai bis Oktober kann man in der Provinzhauptstadt alle möglichen Kunst-, Musik- und Theaterdarbietungen erleben. Dass Tulpen auch in Kanada bestens gedeihen, weiß man spätestens nach einem Abstecher zum „Canadian Tulip Festival“, zu dem Ottawa im Mai einlädt. Dann blühen Millionen von Tulpen und das feiert Kanadas Hauptstadt mit Konzerten und Paraden. Naturgemäß geht es in Sachen Festivals und Events dann den ganzen Sommer über auch in Kanada in die Vollen. Zu den renommiertesten Veranstaltungen zählt dabei sicher das „Festival International de Jazz de Montréal“ Ende Juni/Anfang Juli. Im gleichen Zeitraum finden im Land weitere Jazz-Festivals statt, unter anderem in Vancouver und Toronto. Weitere Sommer-Musikfestivals sind „Heavy Montréal“ und „Vancouver Folk Music Festival“, beide am dritten Juli-Wochenende, das internationale „Winnipeg Folk Festival“ sowie das dreitägige Rock-Pop-Open-Air „Osheaga“ im Montrealer Parc Jean-Drapeau. Straßenkünstler und Kunsthandwerker bevölkern im Juli Edmonton und geben beim „Festival’s international cast of street artists“ ihr Bestes. Feste zu feiern verstehen auch die Minderheiten in Kanada, beispielsweise beim „Canada’s National Ukrainian Festival“ im Juli/August in Dauphin oder beim „Islendingadagurinn – Icelander’s Day“ in Gimli am Westufer des Lake Winnipeg – beides liegt in der Provinz Manitoba.