Road Trips

Der Weg als Ziel – Roadtrips in den USA

Auch schon mal ins Grübeln gekommen, ob die legendäre Route 66 nun in Nord-Süd- oder West-Ost-Richtung verläuft? Oder mal was vom „Million Dollar Highway“ gehört? Wer sich mit US-amerikanischen Straßen wie diesen befasst, steht zweifellos auf Abenteuer mit dem Weg als Ziel. Für viele dieser Touren muss man allerdings schon einiges an Zeit mitbringen, denn es sind gewaltige Strecken zu bewältigen. Das gilt auch – und ganz besonders – für die von der Pazifikküste bis an den Michigan-See verlaufende Route 66. Zwischen Chicago in Illinois und Santa Monica in Kalifornien liegen rund 3.940 Kilometer. Zum Vergleich: Die größte Nord-Süd-Ausdehnung Deutschlands beträgt 886 Kilometer Luftlinie. Anfang des vorigen Jahrhunderts als eine der ersten asphaltierten Transkontinentalstraßen gebaut, diente die Route 66 einst als wichtigste Verbindung zwischen dem Mittleren Westen und dem Osten der USA. Abschnittsweise lösten dann bereits ab Mitte der 1950er Jahre riesige, moderne Highways diese historische Straßenverbindung nach und nach ab, sodass die einspurige Landstraße für den Verkehr inzwischen bedeutungslos wurde.

Doch obwohl es den einstigen „U.S. Highway 66“ offiziell schon seit 1985 nicht mehr gibt, ziehen die erhalten gebliebenen Teilabschnitte der Route 66 nach wie vor Touristen aus aller Welt an. Die unterschiedlich ausgeschilderte Strecke führt durch insgesamt acht Bundesstaaten und vorbei an zahlreichen nostalgischen Sehenswürdigkeiten wie Tankstellen, Motels, Brücken und auffälligen Werbefiguren. Am Adams Blvd in Chicago findet man ein Schild, das den Beginn der Route 66 markiert. In Illinois folgt man den „Route 66“-Schildern, in Missouri der „Old 66“, in Kansas der State Route „KS 66“. Im Bundesstaat Oklahoma weisen die „OK 66“-Schilder den weiteren Weg, bevor es einige Kilometer durch Texas geht. In New Mexico orientiert man sich dann wieder an „Old 66“-Schildern, in Arizona an denen mit der Aufschrift „AZ 66“ und in Kalifornien bis zum Pier in Santa Monica wieder an der „Route 66“. Eine Tour auf der originalen „Route 66“ sollte man in jedem Fall gut vorbereiten, und das nicht nur, um auch einige der Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke nicht zu verpassen. Empfehlenswert ist, sich ein Buch mitzunehmen, das die genaue Route beschreibt. Denn wer sich vorstellt, einfach immer nur geradeaus fahren zu müssen, verirrt sich vermutlich. Inzwischen fehlen der „Mutter aller Straßen“ immer wieder einige Streckenabschnitte, auf denen man auf neu gebaute Autobahnen ausweichen muss.

Während die „Route 66“ sicher zu den bekanntesten Straßen der Welt gehört, gibt es in den USA einige weitere, nicht weniger reizvolle Routen. Die US Route 1 zum Beispiel. Sie verbindet Key West im Süden Floridas mit Fort Kent/Maine an der kanadischen Grenze. Über rund 3.840 Kilometer führt diese östlichste Nord-Süd-Verbindung durch 14 Bundesstaaten und die US-Hauptstadt, meist am Atlantik entlang. Auf dieser Route kommt man durch Metropolen wie Miami, New York, Boston und Washington D.C., aber auch durch ländliche Gegenden mit Plantagen und Sümpfen. Als „Million Dollar Highway“ ist ein knapp 40 Kilometer langer Abschnitt der US Route 550 bekannt, der zwischen Ouray und Silverton in Colorado liegt. Diese Tour bietet richtig was fürs Auge, denn sie führt durch die Schlucht des Uncomphagre Rivers, weiter über Coal Bank Pass und Molas Pass – jeweils auf gut 3.000 Metern Höhe – und vorbei an Bergen, die Erze in prächtige Farben tauchen. Solche Traumstraßen bieten die USA noch einige mehr: Mohawk-Trail, Alpine Loop Road, Highway 50 (Pony Express), Trail Ridge Road, Great River Road, Highway 61, Oregon Trail …

Kanada – endlose Weite und traumhafte Städte

Das flächenmäßig zweitgrößte Land der Erde breitet sich im Norden Nordamerikas an der Grenze zu den USA aus. Es würde mehr als nur ein paar Tage dauern, dieses etwa zehn Millionen Quadratkilometer große Land zu durchqueren. Die Fläche Kanadas entspricht immerhin fast der vom gesamten Europa. Wer mehr sehen möchte, als die Hauptstadt Ottawa oder bekannte Orte wie Toronto, Montreal, Vancouver und Calgary, kommt um einen guten Leihwagen nicht herum. Die weite Prärie, endlos scheinende Wälder und imposante Berglandschaften mit klaren Seen muss sehen, wer Kanada besucht. Zu den faszinierendsten Erlebnissen gehört eine Tour über den rund 230 Kilometer langen Icefield Parkway zwischen Lake Louise und Jasper, eine Panoramastraße in den Rocky Mountains im Westen des Landes. Sie führt durch eine überwältigende Landschaft – vorbei an Gletschern, Flüssen, Seen und Tälern.

Auch durch fast alle der mehr als 40 Nationalparks und rund 1.500 Provinzparks Kanadas führen Straßen, sodass die einmalige Tier- und Pflanzenwelt zum hautnahen Erlebnis wird. Auch den Spuren der Indianer in Kanada kann man auf einer aufregenden Tour folgen, beispielsweise ab Calgary in der westlichen Prärieprovinz Alberta. Die Route durch das ehemalige Indianergebiet führt zunächst zum liebevoll restaurierten Fort MacLeod und weiter zur Steilklippe Head-Smashed-In-Buffalo-Jump, rund 175 Kilometer südlich Calgarys. Nächste Station könnte Frank sein, eine uralte Minenarbeiter-Stadt. Bevor man sich jedoch auf den Weg macht, empfiehlt sich zur Einstimmung der Besuch im Glenbow Museum von Calgary. Neben einer umfangreichen Sammlung über die „First Nations“ genannten Ureinwohner der Region erzählt die Ausstellung mit Tausenden von Exponaten Wissenswertes über die Geschichte Albertas, befasst sich aber darüber hinaus auch mit historischen Aspekten Kanadas. Auch der Mineralogie, westafrikanischer Kultur und asiatischer Kunst widmet sich dieses spannende Museum. Ebenfalls viel zu sehen gibt es natürlich in Kanadas Städten, von denen die meisten um die Großen Seen herum und an Kanadas längstem Fluss, dem Sankt-Lorenz-Strom, liegen. Wer sich verschiedene Städte anschauen möchte, sollte allerdings die enormen Entfernungen nicht unterschätzen: So liegen beispielsweise Vancouver im Südwesten und Toronto im Südosten des Landes knapp 4.500 Kilometer auseinander – was mit dem Zug eine Reisezeit von immerhin drei vollen Tagen bedeutet. Vancouver, die moderne Stadt mit ihren mächtigen Wolkenkratzern in der Skyline, liegt an der Westküste und begeistert sofort, schon aufgrund seiner traumhaften Lage inmitten der Coast Mountains.

Zu den vielen Sehenswürdigkeiten gehören die fast zwei Kilometer Meter lange Lions Gate Bridge über das Fjord Burrard Inlet, die Vancouver Art Gallery, das Harbour Center, Siwash Rock und das Vancouver Aquarium im Stanley Park. Als Stadt mit den meisten Wolkenkratzern Kanadas präsentiert sich Toronto gleichfalls als sehr moderne Metropole. Kanadas größte Stadt schmiegt sich ans westliche Ufer des Ontariosees, die als Golden Horseshoe bekannte Metropolregion zieht sich bis zu den Niagarafällen. Zu den herausragenden unter den vielen Highlights Torontos zählen der 553 Meter hohe CN Tower mit seinen Aussichtsplattformen, das Fußgängertunnelsystem PATH, das Rathaus (City Hall) an der Queen Street, die kurz AGO genannte Art Gallery of Ontario und das Royal Ontario Museum. Und wer es schafft, sollte vielleicht auch der kanadischen Hauptstadt Ottawa am gleichnamigen Fluss einen Besuch abstatten. Sie liegt nordöstlich von Toronto, einen „Katzensprung“ von nur rund 350 Kilometern Luftlinie entfernt.

Mexiko – Kakteen, Regenwälder und grandioses Kulturerbe

Welche Länder liegen in Nordamerika? Kanada und die USA, ist klar. Aber auch zahlreiche Inseln und Mexiko gehören zu diesem Kontinent. Mexiko – das sind Halbwüsten mit wild wachsenden Kakteen, das sind sattgrüne Regenwälder, karibische Traumstrände und Tauchreviere vom Feinsten. Neben uriger Natur beherbergt Mexiko aber auch Städte, die ihr typisches Antlitz aus der Kolonialzeit ins Heute gerettet haben und Millionenmetropolen, die anderen Weltstädten in nichts nachstehen.

Atlanta – USA-Städtereise vom Feinsten

Atlanta gehört auf den ersten Blick vielleicht nicht unbedingt zu den Traumreisezielen in den Staaten, doch die Hauptstadt von Georgia im Südosten der USA hat so einiges zu bieten. Zunächst ein angenehmes Klima das ganze Jahr hindurch. Selbst in den Wintermonaten Dezember und Januar fällt das Thermometer kaum unter null Grad. Doch gutes Wetter allein reicht natürlich nicht, um sich für rund zehn Stunden in den Flieger zu setzen. Was also bietet Atlanta? Zum Beispiel eine interessante Geschichte, der man unter anderem im „Sweet Auburn”-Distrikt auf die Spur kommt. Hier steht das Geburtshaus von Martin Luther King Jr., der 1929 in Atlanta zur Welt kam. In Buckhead zeigt das Atlanta History Center neben einer Freiluftausstellung eine interessante Sammlung mit Exponaten zum amerikanischen Bürgerkrieg und anderen historischen Ereignissen, dazu Volkskunst und verschiedene Sonderausstellungen.

Louisiana – Bayous, Pelikane und die reine Freude am Leben

Louisiana ist ein einzigartiger Bundesstaat. Das bedeutet viel, denn den USA mangelt es bestimmt nicht an bunter Diversität. Doch das Land am Mississippi-Delta versprüht einen Charme, der mit keinem anderem zu vergleichen wäre. Auf den Bayous tummeln sich Pelikane, von den Ästen ausladender Eichen hängt Louisiana-Moos herab wie die Haarsträhnen einer indianischen Prinzessin, dazwischen strahlen weiße Herrenhäuser aus längst vergangenen Zeiten. Straßenmusik fährt einem zielsicher in die Glieder, während es aus den Restaurantküchen verführerisch nach Jambalaya duftet. Und auf den Flüssen kreuzen herausgeputzte Raddampfer, als würden die Jahrhunderte niemals vergehen.