Natur

Kanada – Nationalparks und Schutzgebiete, wohin das Auge schaut

Mit Kanada verbinden wohl die meisten außergewöhnlich reizvolle und urwüchsige Natur. Tatsächlich knapp die Hälfte der riesigen Landesfläche überziehen dichte Wälder, darunter ausgedehnte Urwaldgebiete. Ebenso bekannt ist Kanada für mächtige Gebirgsregionen, malerische Seenlandschaften und weites Tiefland. Große Teile des Landes behütet Kanada in seinen mehr als 40 Nationalparks sowie Hunderten regional verwalteten Provincial und Territorial Parks. Kanadas ältester Nationalpark, der Banff-Nationalpark, entstand 1885 in der Provinz Alberta nach Entdeckung einer heißen Quelle. Aus den anfangs 26 Quadratkilometern am Nordhang des 2.451 Meter hohen Sulphur Mountains entwickelte sich inzwischen ein mehr als 6.000 Quadratkilometer großes Schutzgebiet in den Rocky Mountains, das neben Bergen, Gletschern und Schluchten auch Wälder, smaragdgrüne Seen, Flüsse und Wasserfälle einschließt. 1886 kamen in der benachbarten Provinz British Columbia in Kanadas Südwesten bereits zwei weitere Nationalparks hinzu: der Glacier- und der Yoho-Nationalpark. Auch wer nicht unbedingt zum Wintersport, zum Klettern oder zum Gletscherwandern in den Yoho-Nationalpark kommt, wird beim Anblick von Wasserfällen wie dem über 250 Meter hohen Takakkaw Falls oder den etwa 80 Meter hohen Twin Falls seine Freude haben.

Kanadas größter Nationalpark, der 1922 gegründete Wood-Buffalo-Nationalpark, liegt im Nordosten Albertas und nimmt mit mehr 44.800 Quadratkilometern eine Fläche ein, in die Dänemark locker hineinpassen würde. Vor allem Seen, Deltas, Feucht- und Sumpfgebiete sowie Salztonebenen oder Salzwüsten prägen dieses Areal. Hier kann man neben Elchen, Bären und Wanderfalken unter anderem Bisons und Kraniche zu Gesicht bekommen. Mit dem Quttinirpaaq-Nationalpark befindet sich Kanadas zweitgrößter und nördlichster Nationalpark in der Provinz Nunavut. Wer diesen Nationalpark im Norden der Ellesmere-Insel besuchen möchte, braucht neben viel Glück auch ausgesprochen warme Kleidung. Diesen Nationalpark am Arktischen Ozean kann man nur in Ausnahmefällen besuchen. Jedermann zugänglich ist hingegen jederzeit Kanadas kleinstes Schutzgebiet, der nur neun Quadratkilometer umfassende Thousand-Islands-Nationalpark am Sankt-Lorenz-Strom in Ontarios Südosten. Wie der Name schon vermuten lässt, stößt man in diesem Schutzgebiet zwischen Brockville und Kingston auf diverse Inseln, die man übrigens alle nur per Boot erreicht.

Drei Nationalparks findet man in der Provinz Yukon im Nordwesten Kanadas, darunter den Kluane National Park and Reserve. Der gehört zum UNESCO-Welterbe und beherbergt neben dem namensgebenden Gletschereisfeld mit dem Mount Logan auch Kanadas höchsten Berg, dessen Gipfel 5.959 Meter erreicht. Interessantes bieten auch die beiden Nationalparks der Provinz Manitoba: Der Wapusk National Park, zu finden an der Hudson Bay zwischen Cape Churchill und Nelson-River-Mündung, präsentiert sich mit abwechslungsreichen Landstrichen, die von Marschland und von Dünen gesäumten Stränden über Tundra, Moore und Sümpfe bis hin zu Taiga und Seenlandschaften reichen. Ein Teil dieses Nationalparks liegt zudem in der Permafrostregion. Der Riding-Mountain-Nationalpark, ein von der UNESCO anerkanntes Biosphärenreservat, erstreckt sich südlich von Dauphin und überrascht am Rande der Prärielandschaft Manitobas mit viel Wald, Wiesen, Flüssen und Seen. Ein ideales Wandergebiet, durch das sich zahlreiche ausgeschilderte Wege ziehen. Zu den vielleicht schönsten regionalen Schutzgebieten gehört der Algonquin Provincial Park zwischen Toronto und Ottawa. Er vereint Laub- und Nadelwälder mit Sumpfgebieten und steil aufragenden Felswände zu Bilderbuchlandschaften, denen knapp 2.500 Seen noch das i-Tüpfelchen aufsetzen.

Iqaluit – in der Heimat der Eskimos auf Abenteuerurlaub

Hochgebirgsketten, tiefe Schluchten, weite Ebenen, Salzseen, Fjorde, karibische und andere Inseln, Flussdeltas, Hochland, aktive Vulkane, Kältewüsten – landschaftlich bietet der nordamerikanische Kontinent so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann. Wem tiefe Temperaturen nichts ausmachen, den erwartet in und um Iqaluit ein außergewöhnlicher Abenteuerurlaub. Iqaluit? Ist eine überwiegend von Inuit bewohnte Stadt im Norden Kanadas, genauer gesagt die Hauptstadt des autonomen Territoriums Nunavut. Zu finden ist Iqaluit im Südosten von Baffin Island, gelegen im Nordpolarmeer südwestlich von Grönland. Mit nur rund 6.300 Bewohnern und einer Fläche von etwa 53 Quadratkilometern zählt Iqaluit zwar zu Kanadas kleinsten Hauptstädten, aber zu sehen und zu erleben gibt es mehr als genug. Die Sommersachen kann man getrost zuhause lassen, denn selbst in den Sommermonaten klettern die Temperaturen nur wenige Grad über Null. Den größten Teil des Jahres herrscht tiefer Frost. Dieses arktische Klima bestimmt das Leben Iqaluits in allen Lebenslagen. Überwiegend flach ducken sich die Gebäude in die Landschaft, asphaltierte Straßen gibt es kaum. Etwas Farbe bringen einige bunt getünchte Fassaden in die ansonsten eher schmucklose Stadt.

Ein echter Hingucker ist allerdings die im Juni 2012 neu eröffnete St. Jude’s Anglican Cathedral, eine Kirche in Gestalt eines Iglus. Im Stadtbild fallen dann noch einige weitere Kirchen auf, darunter die römisch-katholische Church Our Lady of the Assumption, die Pentecostal Church der Pfingstgemeinde und das Bahá’i-Haus der Andacht. Beim Bummel durch Iqaluit kann man sich gut mit Englisch verständigen, auch wenn die Mehrheit der Einheimischen die eskimo-aleutische Sprache Inuktitut spricht. Das wird auch an Verkehrs- und Straßenschildern deutlich, auf denen neben englischen Schriftzeichen die traditionelle Silbenschrift der Inuit zu sehen ist. Verkehrsampeln oder Hausnummern gibt es übrigens nicht. Der rund 4.000 Jahre währenden Kultur der Ureinwohner in der Region widmet sich Iqaluit mit dem Nunatta Sunakkutaangit Museum, untergebracht in einem ehemaligen Gebäude der Hudson’s Bay Company. Gezeigt werden unter anderem Kleidung, Kunstgegenstände und Schmuck der Inuit sowie Werke zeitgenössischer Künstler. Viel Wissenswertes über die Menschen und die Natur der Region vermittelt auch das Unikkaarvik Visitors Centre mit seiner interaktiven Ausstellung. Übersetzt heißt Unikkaarvik so viel wie „Ort, der Geschichten erzählt.”

Informationen bekommt man hier außerdem zu interessanten Ausflügen. Geführte Touren führen beispielsweise zu den uralten Torfhäusern des Thule-Volkes im nahe gelegenen Qaummaarviit Historic Park, im Hundeschlitten zur uralten Inuit Siedlung Illaulittuuq Outpost Camp oder zum Fischen und Wandern in die Mäanderlandschaft des Sylvia Grinnell Rivers. Angeboten werden zudem ausgedehnte oder Tagestouren mit Snowmobil oder Boot. Rund um Iqaluit erstreckt sich vor allem überwiegend flaches Land, auf dessen kargen Böden insbesondere Arktische Weide und Arktischer Mohn gedeihen, Blütenpflanzen, denen Temperaturen von bis zu minus 30 Grad nichts anhaben. Die einzigartige Schönheit der arktischen Wildnis lässt sich in dieser touristisch kaum erschlossenen Region auch im Ayuittuq National Park erleben, der sich mit schroffer Landschaft präsentiert, in der Gletscher, polares Eis und zerklüftete Felsen aufeinandertreffen. Der Nationalpark beherbergt einige der höchsten Gipfel des Kanadischen Schildes, die steil bis zu 2.000 Meter aufragen. Je nach Jahreszeit und Witterung bieten die Einheimischen Touren mit Hundeschlitten, Schneemobil oder Schneeschuhen an. Und wer sich etwas ganz Besonderes gönnen will, sollte nach einer Schiffsexpedition in die arktischen Gewässer fragen und dabei in unberührter Natur seltenen Tierarten wie Walrossen, Eisbären, Belugas oder Trottellummen begegnen …

Belize – üppige Vielfalt auf ganz kleinem Terrain

Das auf der Landbrücke nach Südamerika liegende Belize grenzt an Mexiko, Guatemala und die Karibik. Auf knapp 23.000 Quadratkilometern Landesfläche, was etwa der Größe Mecklenburg-Vorpommerns entspricht, bietet das kleine Land vielfältige Landschaften und karibisches Flair. Hier gibt es dichten Dschungel und faszinierende Nationalparks, exotische Traumstrände und sagenhafte Maya-Ruinen. Dazu ist die ehemalige britische Kronkolonie British Honduras das einzige Land Mittelamerikas mit Englisch als Amtssprache. Dass Belize den südöstlichen Teil der Halbinsel Yucatan einnimmt, lässt schon die Existenz von Hinterlassenschaften der Maya vermuten. Und so stößt man im Norden bei Orange Walk Town tatsächlich auf eine der ältesten den Maya zugeordneten Siedlungen, die wissenschaftlichen Schätzungen zufolge zwischen 2000 v. Chr. und 1000 n. Chr. bewohnt war. Die historisch bedeutsamste Maya-Stätte Caracol befindet sich mitten im Regenwald, unweit der Grenze zu Guatemala. Auf dem Vaca Plateau – gut 70 Kilometer südlich von San Ignacio – existierte ab etwa 600 v. Chr. bis um 900 n. Chr. eine riesige Stadt, in der zu Blütezeiten bis zu 115.000 Menschen lebten. Über das riesige Gelände des einstigen Königreiches Caracol führt heute ein Rundweg. Zu Gesicht bekommt man unter anderem verschiedene Altäre, Fundamente, Stelen, Tempel, Paläste und Pyramiden, von denen die höchste 43 Meter aufragt. Von der Caana aus öffnet sich der Blick weit über die gesamte Anlage.

Mit Xunantunich, El Pilar und Cahal Pech befinden sich weitere sehenswerte Maya-Anlagen ganz in der Nähe. Auf Tour durch Belize fällt auf, dass den Norden überwiegend flache Ebenen, den Süden hingegen Hügel und die Maya Mountains durchziehen. Vor der gesamten Küste erstreckt sich mit zahlreichen Cayes (Koralleninseln) das Belize Barrier Reef, nach Australiens Great Barrier Reef das weltweit zweitgrößte Riffsystem. Auf einigen der etwa 200 Inseln finden sich herrliche Sandstrände. Auf Ambergris Caye, Belizes größtem Eiland, zum Beispiel, auf dem lange, bevor sich im 17. Jahrhundert die ersten Europäer niederließen, Maya lebten. Dennoch besucht man diese Insel nordöstlich von Belize City kaum wegen irgendwelcher Sehenswürdigkeiten, sondern vor allem, um sich in der Sonne zu räkeln oder in die zauberhafte Unterwasserwelt abzutauchen. Das trifft ebenso auf all die anderen Cayes zu, sei es die Südinsel von Caye Caulker, das Glover‘s Reef Atoll oder South Water Caye. Unbedingt besuchen sollte man das Lighthouse Reef, denn in dieser Lagune lebte die Natur eine ganz besondere Laune aus und ließ dabei das Blue Hole entstehen. Dabei handelt es sich um ein riesiges, mit tiefblauem Wasser gefülltes Loch mit rund 300 Metern Durchmesser – entstanden durch den Einsturz einer Höhle.

Für besonders weiße, von Palmen gesäumte Bilderbuchstrände steht das Turneffe Atoll, das natürlich ebenfalls zum Schnorcheln, Tauchen und Angeln einlädt. Wer mehr von der wunderschönen Natur sehen möchte, bucht eine Tour durch den Regenwald, der im Gegensatz zu vielen anderen lateinamerikanischen Ländern in Belize noch intakt ist, oder lässt sich durch die Mangrovensümpfe der Küstenregion führen. Zu den Highlights unter den vielen Nationalparks gehören der Five Blues Lake National Park mit legendären See, der Guanacaste National Park mit imposanten Bäumen, der Mayflower Bocawina National Park mit Wasserfällen und kleinen Maya-Ruinen sowie der Chiquibul National Park mit dem längsten Höhlensystem Zentralamerikas. Klar, dass man in Belize auch einer überaus artenreichen Tier- und Pflanzenwelt begegnet. Zu den besonderen Schutzgebieten gehört das Cockscomb Basin Wildlife Sanctuary südwestlich von Dangriga. In diesem ältesten Jaguar-Reservat der Welt leben unter anderem über 300 Vogelarten, Tapire, Affen und Pumas. Bleibt Zeit, lohnen sich auch Abstecher in Städte wie Belize City oder die Hauptstadt Belmopan.

Grönland – knackige Abenteuer mit den „Big Arctic Five“

Zum nordamerikanischen Kontinent gehört auch die größte Insel der Erde, die politisch jedoch als autonomer Bestandteil zum europäischen Dänemark gehört: Grönland. Mit ihrem wechselhaften arktischen Extremklima ist diese Insel sicher ein sehr spezielles Reiseziel, aber eins, das sich vor allem für Naturbegeisterte lohnt. Wer sich in dieses Abenteuer stürzen möchte, sollte dies allerdings im Rahmen einer organisierten Reise tun, da die Erkundung der Insel mit ihren ausgedehnten unzugänglichen Gebieten auf eigene Faust so einige Gefahren birgt. Zudem ist Grönland extrem groß: Deutschland würde flächenmäßig gut sechs Mal auf die Insel passen. Warme Sachen gehören bei einer Reise nach Grönland auf jeden Fall in den Koffer, schließlich bedecken bis zu drei Kilometer dicke Eisschichten fast die gesamte Insel, lediglich rund 12 Prozent der Landesfläche sind eisfrei. Die meisten der rund 56.000 Grönländer leben entlang der Westküste, knapp 17.000 von ihnen in der Inselhauptstadt Nuuk an der südwestlichen Küste. Unweit dieses Städtchens befindet sich Grönlands Internationaler Flughafen, den man beispielsweise über Reykjavík oder Kopenhagen anfliegt.

Nuuk besteht vor allem aus zweckmäßigen Wohnbauten, es gibt im alten Kolonialhafen jedoch auch ein Stadtviertel, das mit seinen roten, blauen und gelben Häusern stark an die Bauweise der typisch dänischen Holzhäuser erinnert. In diesem ältesten Viertel der grönländischen Hauptstadt steht die 1849 geweihte Erlöserkirche, ein strahlend roter Holzbau mit einer klangvollen Orgel und typisch skandinavischem Interieur. Neben dieser evangelischen Domkirche erhebt sich eine Statue, die an den Pfarrer Hans Egede erinnert, der besser als „Apostel der Grönländer“ bekannt ist. Ganz in der Nähe der Kirche befindet sich das grönländische Nationalmuseum, das zu einer Zeitreise durch Grönlands 4500-jährige Geschichte einlädt. Es gibt beispielsweise eine archäologische Sammlung mit interessanten Fundstücken und die sogenannte Nordische Sammlung zu den ersten aus Europa stammenden Siedlern, insbesondere den Wikingern. Weitere kleinere Sammlungen zeigen Wissenswertes rund um die 1883 gestartete Frauenboot-Expedition von Gustav Holm, zur Jagdtradition und zum Leben der Polar-Inuit in der Thuleregion um 1900. Darüber hinaus sind eine umfangreiche Kajaksammlung, zeitgenössische Kunst und Fotos zu sehen. Vor dem Museum fällt der Blick auf einen riesigen Weihnachtsbaum und gleich daneben auf den roten Briefkasten des Weihnachtsmanns, der am Gebäude der Touristinformation angebracht ist.

Mit etwas Glück kann man hier – abhängig von der Witterung – geführte Touren buchen. Im Sommer, während der Zeit der Mitternachtssonne, sind beispielsweise Ausflüge entlang der Küste möglich, bei denen man Wale beobachten und zusehen kann, wie Eisberge von kalbenden Gletschern abtreiben. Die Temperaturen lassen dann auch Wanderungen im Hinterland zu, auf denen man auf Grönland erstaunlich viel Grün entdeckt. Kommt der erste Frost, überzieht Schnee das gesamte Land und es wird klirrend kalt. Zu den nachhaltigen Eindrücken im Winter gehören die tanzenden Nordlichter und die Polarnächte. In den stockdunklen Nächten sollte man den Blick auch in den Himmel richten, denn wo sonst strahlen die Sterne so schön wie über Grönland? Ein besonderer Spaß ist außerdem eine Fahrt mit dem Hundeschlitten durch endlose Schneewüsten. Wer Lust auf eine Skitour hat, findet sicher einen ortskundigen Führer, der mit der Gegend und den Witterungsverhältnissen vertraut ist. Eine Reise nach Grönland ist sicher nichts für Frostbeulen, aber die „Big Arctic Five“ versprechen Abenteuer pur: Schnee und Eis, Hundeschlitten, Nordlichter, Wale und das Volk der Entdecker – letzteres erwecken heute die Museen zum Leben.

Saint-Pierre-et-Miquelon – ein Stück Frankreich in Nordamerika

Schon mal was von Saint-Pierre-et-Miquelon gehört? Klingt nach französischen Inseln? Stimmt genau. Dieses aus acht Inseln bestehende Archipel befindet sich allerdings nicht in warmen Gefilden, sondern auf dem nordamerikanischen Kontinent – wenige Kilometer vor der südostkanadischen Küste. Beim Blick auf die Karte findet man die kleinen Inseln bei Neufundland. Die Inselgruppe Saint-Pierre-et-Miquelon gehört zu den französischen Überseegebieten und ist als überseeische Körperschaft (COM) mit Sonderstatus definiert. Auf diese kleine Feinheit kommt es an, denn im Gegensatz zu überseeischen Departements (DOM) wie beispielsweise Réunion oder Französisch-Guayana gehört Saint Pierre und Miquelon nicht zum Zollgebiet der Europäischen Union. Das heißt, für Reisemitbringsel gelten ohne Einschränkungen die gleichen Bestimmungen wie bei einer Einfuhr aus Nicht-EU-Staaten. Für die Ein- und Ausreise reicht theoretisch ein noch mindestens sechs Monate gültiger Personalausweis. Wer allerdings über US-amerikanische oder im Transit über kanadische Flughäfen auf die Inseln fliegt, braucht doch den Reisepass. Praktisch ist, dass auf Saint-Pierre-et-Miquelon wie im Mutterland Frankreich mit Euro gezahlt wird.

Auf Saint Pierre, der kleineren der beiden Hauptinseln, leben die meisten der insgesamt gut 6.000 Einwohner des Archipels. Hier befindet sich unweit des Flughafens auch der gleichnamige Hauptort. In Pastellfarben getünchte Häuser säumen hier die Straßen, auf denen vorwiegend Autos französischer Hersteller unterwegs sind. Neben guten Einkaufsmöglichkeiten und Bäckereien, aus denen es nach Baguettes und Croissants duftet, bietet das Städtchen auch einige Sehenswürdigkeiten. So befasst sich das Héritage Museum am Place du General de Gaulle unter anderem mit Vorfahren und Traditionen auf den Inseln. Das L’Arche Musée et Archives in der Rue du 11 novembre zeigt sehenswerte archäologische und zeitgeschichtliche Exponate. Ein weiteres Museum findet man auf der Nachbarinsel in Miquelon in der rue Sourdeval. Wer sich für Geschichte interessiert, kann sich auf den Inseln zudem bei einer geführten Thementour auf Zeitreise begeben. Die faszinierendste Sehenswürdigkeit der Inseln ist jedoch die Natur. Scheinbar unberührte Landstriche laden zu ausgedehnten Wanderungen oder Radtouren ein. Auf den spärlich besiedelten Inseln fühlt man sich dabei völlig ungestört.

Unbedingt besuchen sollte man Le Cap de Miquelon im Norden der größten Insel. Diese rund sechs Kilometer lange und gut einen Kilometer breite Halbinsel auf Miquelon gehört zu den malerischsten Gegenden des gesamten Archipels. Überall grünt und blüht es, ziehen sich endlos scheinende Grünflächen hin, gedeihen seltene Pflanzen in rauem Klima. Entlang der Küste umspielt das Meer hier spektakuläre Klippen, die steil und sehr hoch aufragen. Im Schutz der urwüchsigen Halbinsel leben zahlreiche Vogel- und andere Tierarten, darunter Tordalke, Eiderenten, Falken, Bussarde, Papageientaucher, Weißwedelhirsche und Rotfüchse. Mit etwas Glück entdeckt man auf dem Meer sogar Robben und Wale. Ein weiteres Kleinod ist die Lagune Le Grand Barachois nördlich der Dune de Miquelon am Übergang zur Insel Langlade, wo sich unter anderem Seehunde und Kegelrobben tummeln. Zum Pflichtprogramm gehört auch ein Abstecher zur Ile aux Marins – der Insel der Seefahrer – zehn Bootsminuten östlich von Saint Pierre. Das ehemalige Fischerinselchen ist heute unbewohnt, beherbergt aber nach wie vor das ehemalige Dorf mit farbenfrohen Wohnhäusern, Schule, Straßen und Bootsanleger – alles tipptopp als Freilichtmuseum saniert. Auch die altehrwürdige, schneeweiße „Eglise Notre Dame des Marins” erstrahlt mit ihrem roten Dach in neuem Glanz. Ein Museum gibt es auch: das Musée Archipélitude mit um die 3.000 Exponaten aus dem Leben der einstigen Bewohner.