Monthly Archives: September 2014

Kuba – Karibikfeeling, Kolonialstädte und Plantagen

Was einem spontan zu Kuba einfällt, sind wohl meistens uralte Amischlitten und Karibikfeeling unter Palmen. Dazu vielleicht noch der morbide Charme verruchter Bars, die Mojitos und Rum ausschenken und in denen man dicke Zigarren raucht. Sicher hat man auch noch die überschwängliche Lebensfreude der Einheimischen vor Augen, die zu heißen Rhythmen von Rumba, Samba oder Reggae die Hüften schwingen. Klar, auf Klischees wie diese trifft man auf der Insel. Doch alles ist das längst nicht. Kuba, das ist ein Land voller Kontraste und großer Gegensätze. Und wer das wirklich kennenlernen möchte, sollte auf die Insel Zeit mitbringen. Denn gerade klein ist Kuba nicht.

Stolze 1.250 Kilometer liegen zwischen Cabo San Antonio im Westen und Punta de Maisi im Osten. Landet man in Havanna im Nordwesten von Kuba, bleibt man am besten gleich einige Tage hier. Viel zu sehen gibt es im Centro Habana – der Innenstadt. Das weiße Capitolio, heute öffentlich zugängliches Kongresszentrum, erinnert an das bekannteste Regierungsgebäude der USA. Auch der ehemalige Präsidentenpalast, der das Revolutionsmuseum beherbergt, das Hotel Inglaterra und das Gran Teatro de La Habana zählen zu den besonders eindrucksvollen Bauwerken in der kubanischen Hauptstadt. Wer sich für Architektur interessiert, den begeistert die liebevoll sanierte Altstadt La Habana Vieja, die sich mit ihrem idyllischen Hafen in die Bucht schmiegt, ganz bestimmt ebenso – nicht von ungefähr gehört dieses Viertel bereits seit 1982 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Ab dem frühen 16. Jahrhundert von spanischen Eroberern errichtet, vereint diese einstige Kolonialsiedlung eine Vielzahl an Baustilen unterschiedlichster Epochen und Regionen. Auf einem Rundgang trifft man auf geschichtsträchtige Plätze, anmutige Palazzi, Kirchen, Klöster und nicht zuletzt auf das mächtige Castillo de la Real Fuerza. In das eine oder andere Museum Havannas sollte man auch hineinschauen – die Ausstellungen reichen von der Rum- oder Tabakherstellung über Kunst oder Geschichte bis hin zu Luft- oder Seefahrt. Nobel geht es entlang der Fifth Avenue zu, wo sich neben noblen Villen zahlreiche Botschaften befinden. Und auch drei Persönlichkeiten begegnet man im Stadtbild immer mal wieder: Fidel Castro, Ernest Hemingway und Ernesto Che Guevara. Auf den Straßen fahren übrigens tatsächlich so einige Oldtimer – amerikanischer Bauart oder irgendwie selbst hergerichtete. Vieles gibt es noch zu entdecken, aber Havanna allein ist eben nicht Kuba. Das spürt man ganz deutlich, wenn man sich auf den Weg über die Insel macht. Auf der Fahrt Richtung Osten kommt man an Santa Clara vorbei, bekannt für das Monumento al Tren Blindado – der gepanzerte Zug – und das Museo y Monumento Memorial Comandante Ernesto Che Guevara.

Ein weiterer Stopp lohnt sich in der ehemaligen Zuckermetropole Trinidad, einem Kolonialstädtchen an der Südküste mit sehenswerten Bauwerken. Etwas weiter östlich, im Valle de los Ingenios, blieben zahlreiche Gebäude einer kolonialen Zuckerplantage erhalten. Highlight: das Anwesens Manaca Iznaga mit Kolonialhaus, ehemaligen Sklavenhütten, der „Arbeits-Glocke“ und einem Aussichtsturm. Und Natur? Gibt es auch in faszinierender Vielfalt. Wie wäre es mit Gebirge, tropischen Pflanzen und Wasserfällen? Dann auf ins Escambray-Gebirge südlich Santa Claras! Mit seinen Mogotes, Höhlen, Plantagen und dem riesigen Mural de la Prehistoria ebenfalls ein Volltreffer: das Valle de Vinales in der Sierra de los Organos. Zu finden bei Vinales im Westen Kubas. Sonnenanbeter kommen auf Kuba natürlich auch auf ihre Kosten. Einen der schönsten Strände bietet Varadero, eine Halbinsel östlich von Havanna.

Ottawa – Kanadas stolze Hauptstadt

Wie heißt die Hauptstadt von Kanada? Montreal? Toronto? Vancouver? Nein, keine dieser drei Städte ist Kanadas Hauptstadt, sondern Ottawa. Die kanadische Metropole befindet sich im Südosten des Landes, unweit der Grenze zu den USA. Das riesige Stadtgebiet umfasst mehr Fläche, als sie das Saarland vorweisen kann. Modernes Großstadtflair voller Sehenswürdigkeiten und Parks, mit Kulturangeboten, guter Gastronomie und facettenreichen Freizeitmöglichkeiten verbindet die kanadische Hauptstadt mit natürlichem Charme.

So stürzen sich im Stadtgebiet mehrere Wasserfälle in die Tiefe, darunter die etwa 15 Meter hohen und 60 Meter breiten Chaudière-Fälle. Ottawa, am Südufer des Ottawa River sowie an der Mündung von Rideau-Kanal und Rideau River, liegt inmitten eines Systems von Seen und Kanälen, das die kanadische Hauptstadt sowohl mit dem Ontariosee wie auch mit der Georgian Bay verbindet. Überall führen ausgeschilderte Wege am Wasser entlang, laden zu ausgedehnten Spaziergängen oder gemütlichen Radtouren ein. Auch zahlreiche Grünflächen prägen das Stadtbild. Wer sich für Architektur interessiert, wird staunen, wie harmonisch sich in Ottawa historische Gebäude mit hypermodernen Bauten aus Glas und Stahl zu einem Ganzen zusammenfügen. Fotomotive finden sich in der Stadt zuhauf: das eindrucksvolle Confederation Building zum Beispiel oder Parliament Hill am Ottawa-Ufer mit dem neogotischen Gebäudeensemble des Parlaments von Kanada.

Hier steht auch der 92 Meter hohe Peace Tower mit der frei zugänglichen Aussichtsplattform, die einen herrlichen Rundum-Blick über die Stadt ermöglicht. Die Grünanlagen rund um das Parlament gleichen mit ihrem Baumbestand und zahlreichen Statuen einer Parkanlage. Ebenfalls sehenswert sind die ungewöhnlichen Fassaden der Ottawa City Hall (Rathaus) von Ottawa und der National Gallery of Canada. Besonders fällt in Ottawa die große Anzahl an Sakralbauten auf, um die 200 Kirchen unterschiedlichster Konfessionen sowie zahlreiche Synagogen und Moscheen gibt es in Kanadas Hauptstadt. Imposanteste und zugleich älteste katholische Kirche der Stadt ist die 1839 erbaute Notre Dame Cathedral Basilica mit einer faszinierenden Innenausstattung.

Unbedingt vorbeischauen sollte man in Ottawa auch im ByWard Market. So nennt sich das Viertel östlich des Parlamentshügels, in dem tagsüber Händler und Kunsthandwerker von frischen Lebensmitteln über Blumen bis hin zu Bekleidung und Souvenirs alles nur Erdenkliche anbieten. Straßencafés und Restaurants finden sich hier ebenso wie kleine Läden und versteckte Innenhöfe. Super bummeln und shoppen lässt es sich in Ottawa zudem in der Rideau Street mit ihren riesigen Läden und Malls, in der Sparks Street sowie im Westboro Village. Einen Abstecher wert sind auch Ottawas Museen – ganz besonders das Canadian Museum of Nature. Mehrere Brücken führen über den Ottawa River ins gegenüberliegende Gatineau – beide Städte sind zur Metropolregion Ottawa-Gatineau verschmolzen. In Gatineau befindet sich das Canadian Museum of Civilization, eines der größten Museen Kanadas. Übrigens: Die meist sehr kompakten Viertel lassen sich zu Fuß gut erkunden. Wer allerdings Einheimische nach dem Weg fragt, braucht wegen der Doppelnamen vieler Straßen meist schon „Ottawa-Vorkenntnisse“: So sagen die einen Corso Italia und meinen die Preston Street, andere nennen die Gladstone Avenue hingegen Via Marconi. Besser also mit Straßenkarte auf den Weg machen.